Vinschger Paarl – Brot mit romantischer Tradition

Früh morgens in der Obermühle zu Schanzen… im Haus ist es noch ganz ruhig und alles schläft… nur jemand scheint bereits in der Küche zu werkeln! Es ist unsere Frühstücksfee! Sie bereitet das „Frühstückskistl“ für unsere Gäste vor und füllt es mit allerhand regionalen und hausgemachten Köstlichkeiten! Beim Betreten der Küche steigt mir ein herrlicher würziger Geruch in die Nase… mmhhh… mit einem Blick in den Backofen erkennt man auch sofort was diesen unwiderstehlichen Duft verströmt: das Vinschger Paarl vom Kirchhof! Die Frühstücksfee schiebt es immer für wenige Minuten in den 200° heißen Ofen bevor Sie es ins „Frühstückskistl“ gibt. Sie sagt, so schmecke es noch besser und unsere Gäste können es noch lauwarm genießen. Beim Gedanken an seine saftige Krume, die weiche braune Kruste und den feinen würzigen Geschmack läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Plötzlich stellt sich mir die Frage, woher das Vinschger Paarl eigentlich kommt. Und noch viel interessanter zu wissen wäre wohl, wie es zu seiner ungewöhnlichen Form gekommen ist.

Unsere Frühstücksfee scheint auf alle meine Fragen eine Antwort zu haben. Das Vinschger Paarl hat seinen Ursprung in den Mauern des Klosters Marienberg in Burgeis: im 13. Jahrhundert stellten die Benediktiner Mönche in den klösterlichen Backstuben einen Teig aus Roggenmehl, Dinkelmehl und Sauerteig her und verfeinerten das Ganze mit Kümmel, Fenchel und Brotklee.Daraus formten Sie flache, runde Brotlaibe und fügten jeweils 2 davon zusammen: ein Paar ist entstanden, das „Ur-Paarl“ des Vinschgaus. Das Ur-Paarl wurde zu ganz besonderen Anlässen gebacken, nämlich zu Hochzeiten! Das Paar aus Brotlaiben steht für das Brautpaar und die Vereinigung der Eheleute!  Wie romantisch!

Heute braucht es keine Hochzeit mehr um in den Genuss der Vinschger Brotsorte zu kommen: man findet es in leicht abgewandelter Form als „Vinschger Paarl“ oder „Vinschgerle“ täglich frisch in allen Südtiroler Bäckereien und in unserem „Frühstückskistl“ wieder.

Das Rezept vom „Ur-Paarl nach Klosterart“ wurde jahrhundertelang nur mündlich von den Mönchen überliefert. Später wurde das Ur-Paarl dann auch auf den Bauernhöfen gebacken. Dank seines hohen Roggenanteiles hält sich das Brot lange frisch. Auch in getrockneter Variante wurde es verzehrt: in einem Brotregal, “Hurt”, hat man es getrocknet und auf einem speziellen Schneidebrett, „Brotgroamml“, in Stücke gebrochen. Beide Utensilien lassen sich auch heute noch in der Mühle, dem Herzstück der Obermühle zu Schanzen, bewundern. Geschichtlichen Überlieferungen zufolge wurden beim „Leichenschmaus“ nach Beerdigungen, nur halbe Paarln gereicht.

Um die Tradition des Ur-Paarl aufleben zu lassen, wird es von einzelnen Bäckereien, wie z.B. der Bäckerei Egger in Latsch und der Bäckerei Schuster in Laatsch, gebacken und von Slow Food geschützt.


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Katharina

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